Die Innerdeutsche GrenzeSpuren der innerdeutschen Grenze in Thüringen (1949-1989) |
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Bildtableaus: |
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>>> Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth |
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artistic direction | Projektleitung |
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Die Innerdeutsche Grenze in Thüringen |
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Die vorliegende Arbeit zeigt die Spuren & Narben welche die innerdeutsche Grenze in der Oberfläche der Landschaft Thüringens bis heute hinterlassen hat. Am 7. Oktober 1949 wurde die Deutsche Demokratische Republik gegründet. Die Trennlinie zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland verlief von der Lübecker Bucht südlich bis an die Elbe und schloss die früheren Länder Mecklenburg, die ehemalige Provinz Sachsen und Thüringen ein, traf dann östlich von Hof auf die tschechische Grenze. Die Grenze war 1381 km lang und zerschnitt 32 Eisenbahnlinien, 3 Autobahnen, 31 Bundesstrassen und viele Landstrassen. Diese Trennlinie innerhalb Deutschlands wurde am 14.11.1944 von der UdSSR, den USA und Grossbritannien festgelegt und am 6.2.1945 im Abkommen von Jalta bestätigt. Mit den gewaltsamen Sperrmassnahmen und dem Bau der Mauer am 13. August 1961 wird in Berlin der Ostsektor von den Westsektoren getrennt und als "antifaschistischer Schutzwall" als Teil der Grenze der DDR bezeichnet. Aufwändige Grenzanlagen, abgeschottete Sperrzonen, Wachtürme, Elektrozäune und Stacheldraht machen die Grenze undurchlässig. Erst mit der Entspannungspolitik zwischen Ost und West wird auch die deutsch-deutsche Grenze etwas durchlässiger. Familienzusammenführungen werden möglich, der kleine Grenzverkehr von West nach Ost bringt Erleichterung, Ausreiseanträge dürfen gestellt werden. Viele wollen, aber nur wenige können in den Westen reisen. Die Unzufriedenheit mit den Lebensbedingungen in der DDR nimmt immer mehr zu, die Opposition meldet sich stärker zu Wort. Eine marode Planwirtschaft, Unzufriedenheit mit den Lebensbedingungen, staatlicher Machtmissbrauch, Einschränkung persönlicher Freiheiten wollen die Menschen nicht weiter hinnehmen - den erleichterten Grenzübertritt in anderen Ostblockstaaten nutzen immer mehr DDR-Bürger zur Flucht aus ihrer Heimat. Andere bleiben und demonstrieren gegen das System. In Leipzig und Dresden, in Berlin und Halle gehen Hunderttausende auf die Straße. Wenige Wochen nach dem 40. Jahrestag der DDR wurde die innerdeutsche Grenze am 9. November 1989 geöffnet. Folgende Grenzübergänge bestanden in Thüringen zwischen Ost- und Westdeutschland: Straßen: B 247 Duderstadt - Worbis, A 4 Herleshausen - Wartha, B 19 Eussenhausen - Meiningen, B 4 Rottenbach - Eisfeld, A 9 Rudolphstein - Hirschberg. Eisenbahn: Walkenried - Ellrich, Bebra - Gerstungen, Ludwigstadt - Probstzella. |
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Aus der Rede des Thüringer Kultusministers Dr.
Michael Krapp |
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Thüringen - heute Deutschlands starke Mitte - hatte mit 763 Kilometern den längsten Abschnitt der innerdeutschen Grenze. Anfangs war sie noch provisorisch. Als Junge aus dem Sperrgebiet habe ich in den 50er Jahren noch übermütig Spuren auf den 10-m-Streifen gelegt. Der Eiserne Vorhang wurde aber systematisch befestigt, ausgebaut und "gesichert". Oft mussten Menschen ihre Heimat, ihre Häuser und Höfe entlang der Grenze binnen weniger Stunden verlassen. Ihre Häuser wurden dann dem Erdboden gleichgemacht, damit man freies Sicht- und Schussfeld hatte. Auf diese Weise ist auch unser schönes Schullandheim in Billmuthausen verloren gegangen. Am 13. August 1961 besiegelte der Mauerbau die Teilung Deutschlands auf lange Zeit. Der Tag - es war ein Sonntag - hat sich mir, wie vielen damals, eingebrannt. Der 13. August ist deshalb zu Recht der Tag des Gedenkens an die Opfer dieses massiven Missbrauchs politischer Macht. Über 950 Tote an Mauer und Stacheldraht sind zu beklagen: erschossen, von Minen zerrissen, von Splittern durchsiebt. Von der zweiten deutschen Diktatur des 20. Jahrhunderts, wurden sie für ihren Entschluss, das elementare Menschenrecht der Freiheit für sich persönlich in Anspruch zu nehmen, verächtlich gemacht, kriminalisiert oder sogar ermordet. Es gab gelungene Fluchtversuche, spektakuläre Ballonfahrten oder tragische Grenzdurchbrüche wie der von Familie Jahn hier bei Teistungen. Es gab einige Tausend gescheiterte Fluchtversuche. Das führte für die Betroffenen zu vielen Jahren Zuchthaus. Aber das hinderte das SED-Regime keineswegs, diese Menschen zynischerweise gegen Devisen an Westdeutschland zu "verkaufen". Offenkundig war: Die Grenzanlagen waren nach innen, gegen die eigene Bevölkerung gerichtet, wie bei einem Gefängnis, die Rede vom "Antifaschistischen Schutzwall" war ein zynischer Versuch der Rechtfertigung. Und es war auch keineswegs so, dass etwa die proletarischen Massen des Westens an der DDR-Grenze danach verlangt hätten, in das vermeintliche Arbeiter- und Bauernparadies der DDR eingelassen zu werden. Was war die Ursache? Die DDR war ein Staat, der schon lange keine Zukunft mehr hatte. Schon 1979, zum 30. Jahrestag der Gründung der DDR, schrieb der damalige Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, Hans Heigert: "Die innere Krise der DDR besteht darin, daß nun, nach dreißig Jahren, niemand mehr glaubt, diese Missstände seien bloß vorübergehender Natur. Vielmehr hat nun nahezu jeder Mensch, bis hinauf in die höchsten Ränge, begriffen, daß das Elend des Systems von diesem selbst verursacht wird. Mauer, Stacheldraht, Minen gegen die eigene Bevölkerung wurden zum Symbol der dem ganzen System innewohnenden Überlebensangst. Die Inquisitoren und die Exekutoren verteidigen mit allen Mitteln ihre Macht, doch die Ideologie hat abgewirtschaftet." Das war eine wohltuende Analyse unserer damaligen Wirklichkeit; wohltuend auch im Kontrast zu mancher Schönfärberei anderer westlicher Journalisten, die aus sicherer Entfernung das sozialistische Experiment wohlwollend begleiteten. An der Richtigkeit dieser Analyse Hans Heigerts hatte sich bis 1989 nichts geändert, auch wenn Erich Honecker damals, am 40. Jahrestag der Gründung der DDR, noch frohgemut und fernab jeder Realität verkündete: "Den Sozialismus in seinem Lauf / halten weder Ochs noch Esel auf." Auch seine Prognose zu 100 Jahren Mauer war falsch, allerdings lag er mit 28 Jahren tatsächlicher Dauer besser als der, dessen sogenanntes "1000-jähriges Reich" nur 12 Jahre überdauerte. Die Legitimität des Herrschaftssystems der DDR stand von Beginn seiner Installierung durch die sowjetische Besatzungsmacht in Zweifel - ein grundlegender Geburtsfehler, ein Makel, den die DDR nie verlor und der sich mit den Jahren eher noch verstärkte, weil das SED-Regime niemals durch freie Wahlen zu Amt und Mandat gekommen war. Für die Bürgerinnen und Bürger konnten die schönen ideologischen Formeln die autoritär-repressive Herrschaft der SED, den fundamentalen Mangel an Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, keineswegs verdecken. Nicht zuletzt waren Mauer und Stacheldraht durch Radio und Fernsehen für Wahrheiten und Meinungen durchlässig geworden. Deshalb wurde das Ministerium für Staatssicherheit zum zentralen Machtinstrument der SED. Die Staatssicherheit produzierte das, was jede Diktatur braucht: Die Angst der Menschen. Mehr als 250.000 offizielle und inoffizielle Mitarbeiter haben die gesamte Gesellschaft eingeschüchtert und Millionen Menschen kontrolliert. Die DDR wollte Unvereinbares zwangsweise miteinander verbinden: Alleinherrschaft der SED nach innen und politischen Status quo nach außen einerseits - und gleichzeitig wirtschaftliche, soziale und wissenschaftlich-technische Innovation andererseits. Aber beides ließ sich nicht verbinden. Die SED wollte Bevormundung und Unterwerfung mit Fürsorge erkaufen. Recht und schlecht versorgt zu sein, "von der Wiege bis zur Bahre", das war für die meisten in der DDR selbstverständlich. Das Verständnis von Freiheit hatte sich schließlich bei vielen bereits ins Gegenteil verkehrt: Freiheit wurde nicht mehr als Aufforderung zu selbstbestimmtem Handeln empfunden, sondern als Freiheit von Verantwortung - also Verantwortungslosigkeit. Erst nach 1989 zeigte sich das desaströse Ergebnis dieser Entwicklung in seiner ganzen Breite: von grossen Orientierungsproblemen der neuen Bundes-Bürger in der Freiheit bis zu aufbrechenden Generationskonflikten. Die DDR liess folgerichtig freie Meinungsäusserung nicht zu - weder in den Massenmedien noch im intellektuellen Spektrum von Künstlern und Schriftstellern. Das mußten Autoren wie Jürgen Fuchs, Wolf Biermann, Günter de Bruyn oder Reiner Kunze schmerzhaft erfahren. Eine verstummte Gesellschaft ist aber keine freie, ist keine demokratische Gesellschaft. Die DDR-Führung aber - dogmatisch erstarrt und inzwischen selbst voller Angst - unterdrückte alle Diskussionen in Partei und Öffentlichkeit, wo doch seit 1986 aus der Sowjetunion unter Gorbatschow längst die Parolen von "Perestroika" und "Glasnost" herüberdrangen. Zudem war die DDR von der erfolglosen Suche nach einer eigenen Identität, nach einer "nationalen Legitimation" geprägt. Denn in den Augen der meisten Bürger blieb sie ein ungeliebter Teilstaat, ein undemokratisches Regime unter sowjetischer Vorherrschaft. Alle Versuche der Machtelite, mit verschiedenen Formeln und ideologischen Verrenkungen eine "sozialistische Nation" der DDR zu schaffen, blieben letztlich erfolglos. Auch heute, bald elf Jahre nach der Überwindung der deutschen Teilung, bleibt es eine politische Aufgabe für uns, jenes schicksalhaften Sonntags im August 1961 zu gedenken. Denn das "Abhandenkommen der Vergangenheit", so schreibt der Thüringer Dichter Harald Gerlach, "ist der Zustand, in dem der Einzelne beliebig wird und also beliebig manipulierbar". |