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© Die unsterbliche Landschaft | Flandern
Einschlag einer 42cm-Granate im Fort de
Wavre St. Catherine
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© Die unsterbliche Landschaft | Flandern
Flandrisches Trichterfeld
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Am 4. August 2004 jährt sich der Beginn
des 1. Weltkriegs, die Urkatastrophe des 20.
Jahrhunderts, zum 90sten Mal. England erklärte
Deutschland am 4. August 1914 den Krieg, nachdem
die deutschen Truppen am 3. August 1914 die Grenzen
überschritten und in Belgien einmarschiert
waren. Der "Grosse Krieg" markiert den
eigentlichen Beginn des 20. Jahrhunderts und bis
heute sind seine Spuren im politischen und sozialen
Kontext Europas deutlich zu erkennen.
Am Abend tönen die herbstlichen
Wälder
Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen
Und blauen Seen, darüber die Sonne
Düstrer hinrollt; umfängt die Nacht
Sterbende Krieger, die wilde Klage
Ihrer zerbrochenen Münder.
Doch stille sammelt im Weidengrund
Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott
wohnt
Das vergoßne Blut sich, mondne
Kühle;
Alle Straßen münden in schwarze
Verwesung.
Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen
Es schwankt der Schwester Schatten durch den
schweigenden Hain,
Zu grüßen die Geister der Helden, die
blutenden Häupter;
Und leise tönen im Rohr die dunklen
Flöten des Herbstes.
O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre
Die heiße Flamme des Geistes nährt heute
ein gewaltiger Schmerz,
Die ungebornen Enkel.
[Georg Trakl: Grodek, 1914]
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Georg Trakl einer der bedeutensten
Vertreter des österreichischen Expressionismus
wurde zu Kriegsbeginn als Reservist eingezogen und
nach der grausamen Schlacht von Grodek (Galizien,
Ukraine, 8.-14. September 1914) als Sanitäter
eingesetzt. An dieser Erfahrung scheint er
zerbrochen zu sein. Er nahm sich am 3. November
1914 das Leben. In seinem Gedicht "Grodek"
spielt die erlebte Kriegslandschaft mit
ihrer absurden Symbolik eine wichtige Rolle. "Einer
der ganz grossen, unvergesslichen Eindrücke,
die der Frontsoldat des Weltkrieges empfing und die
sein Kriegserlebnis wesentlich bestimmten, ging von
der Landschaft aus, die ihn an den verschiedenen
Fronten umgab. Sie war das eigentlich
Zuständliche in seinem unerhört bewegten
und von einer Unzahl auf ihn einstürmender
Eindrücke und Geschehnisse erfüllten
Leben", schreibt Erich Otto Volkmann 1934 im
Vorwort zu "Die unsterbliche Landschaft",
einem umfassenden Bilderwerk des Grossen
Krieges in 14 Bänden. Die darin
dargestellten Kriegslandschaften sind, trotz
Abstumpfung einer heute
medial-übersättigten Gesellschaft,
äusserst beeindruckend. Nicht weniger
interessant und bewegend ist aber eine aktuelle
Begegnung mit diesen "Missbrauchten
Landschaften". Der damalige
Kriegsschauplatz ist heute
Gedächtnisraum. Die hier gezeigten
Landschaftsbilder bilden für
künftige Generationen ein visuelles
Gedächtnis, einen Kristallisationspunkt
kollektiver Erinnerung. Maurice Halbwachs
betont: "So gibt es kein kollektives
Gedächtnis, das sich nicht innerhalb eines
räumlichen Rahmens bewegt. (... ) auf ihn, den
Raum, muss unser Denken sich heften, wenn eine
bestimmte Kategorie von Erinnerungen
wiederauftauchen soll."
[Halbwachs: Das kollektive Gedächtnis,
Stuttgart 1967, S. 142]
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Die vorliegende Arbeit reflektiert das Thema "1.
Weltkrieg" über die noch heute vorhandenen
Spuren und Narben in der Oberfläche der
(Kultur-) Landschaft. Dabei wird als
Untersuchungsgegenstand die Westfront
(zwischen Vogesen & Flandern) gewählt,
welche schon von den Zeitgenossen des "Grossen
Krieges" als wichtigster und typischster
Frontabschnitt angesehen wurde. Die Arbeit steht im
Kontext des künstlerischen Forschungsprojekts
"Europäische Kulturlandschaften" und vermeidet
bewusst den schaulustigen, medienwirksamen Blick,
widersetzt sich dem oft blutigen, voyeuristischen
Charakter einer Live-Berichterstattung, zeigt
vielmehr in subtiler Bildsprache und damit
glaubwürdig die Wirkung kriegerischer
Ereignisse auf Kulturlandschaft und damit auch auf
die Gesellschaft.
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