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Missbrauchte Landschaften

Das Rheinufer

Schweizer Grenzbefestigungen im 2. Weltkrieg

Rhein

Rheinufer

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artistic direction | Projektleitung

Chris Wittwer

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Fritz Mumenthaler

Im Jahr 55 vor Christus machten die Nachfolger von Gajus Julius Cäsar den Rhein zum Ausgangspunkt ihres Limes, um mit diesem Vorwerk quer durch Südgermanien das ferne Rom zu schützen.
Ende der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde der Rhein im Kontext eines drohenden 2. Weltkriegs zum klassischen und strategisch wichtigen Grenzfluss zwischen der Schweiz und Deutschland. Viele Rheinstädtchen (siehe Anhang) wurden durch schweizerische Grenzschutztruppen besetzt und im Rahmen der Grenzbefestigungskonzeption zu militärischen Stützpunkten. Diese Stützpunkte wurden mit Waffenstellungen, Bunkern, Unterständen, Infanterie- und Panzersperren, sowie mit permanenten Sprengobjekten und Verminungen ausgebaut.

Es war der Milizoffizier und Arzt, Oberst Bircher, welcher die sich abzeichnenden Bedrohungen aus Deutschland erkannte und in seinem Memorial von 1934 verschiedene Feindmöglichkeiten aufzeichnete, angefangen vom Grossangriff Deutschlands mit militärischen Verbündeten auf die Schweiz bis hin zum Durchmarsch fremder Armeen durchs schweizerische Mittelland.

Die Schweiz war zweifellos massiv bedroht und das besonders im Sommer 1940. Die Generalstäbe der Achsenmächte arbeiteten Einmarschpläne aus, verstärkten die Spionage, die Propagandaanstrengungen und konzentrierten Streitkräfte in Jura- und Schwarzwaldnähe. General Guisan (General der Schweizer Armee von 1939 - 1945) legte fest, in welchen Stellungen die am 2. September 1939 mobilisierte Armee aufmarschieren sollte. Gemäss Operationsbefehl Nr. 2 vom 4. Oktober 1939 hatte die Armee die Linie von Sargans über Walensee - Linth - Zürichsee - Limmat - Bözberg - Hauenstein bis zum Gempenplateau südlich von Basel zu befestigen und zu sichern. Die Schweiz war von den Achsenmächten fest umschlossen und so befahl General Guisan als Oberbefehlshaber am denkwürdigen Rütlirapport (24. Juli 1940) das Gros der Armee in eine Zentralstellung im Alpenraum zu konzentrieren. Zwischen der Landesgrenze und dieser Armeestellung im Gebirge hatten die Grenztruppen sowie einige mobile Verbände die Aufgabe einen gegnerischen Vorstoss zu verzögern und möglichst effizient Widerstand zu leisten. Gleichsam als feste Bauten erstellten private Baufirmen im Auftrag des Eidgenössischen Militärdepartements ab 1937 entlang der Grenze betonierte Waffenstellungen (Bunker). Allein im Kanton Aargau entstanden so unmittelbar dem Rheinufer entlang etwa 60 Bunker, in der Regel bestückt mit ein bis zwei Festungs-Maschinengewehren (Modell 1911) und vereinzelt armiert mit Tankbüchsen bzw. Infanteriekanonen, sowie einer entsprechenden Unterkunft für die Besatzung. Eine solche Befestigungsanlage ist heute in Reuenthal als Museum zu besichtigen.
Festungsmuseum Reuenthal

In der "Kleinen Orientierungsschrift Schweiz", welche durch den Generalstab der Deutschen Wehrmacht erstellt wurde, beurteilte die Deutsche Wehrmacht 1942 die Verteidigungsanlagen und den Kampfwert des schweizerischen Heeres wie folgt: "Es ist (die Schweizer Armee) bei starkem Ausbau der natürlichen Hindernisse des Landes in der Lage, auch gegen einen überraschenden Angriff an den Grenzen zeitlich beschränkten Widerstand zu leisten und sich im Hochgebirge längere Zeit zu halten".

Die Kampf- und Festungsanlagen an der Grenze wurden stetig ausgebaut. Im Zentrum des Réduits stand der Gotthard, welcher zu einem Mythos und Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit, für Widerstand und Kampfbereitschaft wurde.

Heute haben die Verteidigungsanlagen entlang des Rheins ihre Bedeutung verloren und sind mit dem Projekt Armee 95 ausgemustert worden. Dennoch bleiben die Bunker- und Festungsanlagen wichtige Zeugen einer durch den 2. Weltkrieg geprägten Kulturlandschaft. [Fritz Mumenthaler, 2004]

(1)
- Kaiserstuhl: in der Mitte des 13. Jh. Brückenkopf und Wehranlage, beidseitig des Rheins mit Schloss Röteln (D) befestigt
- Schwarzwasserstelz: ehemalige Burg, war bewohnt bis 1831 und wurde 1875 abgebrochen, heute durch einen Bunker überbaut
- Zurzach: römisches Kastell und bereits in kelto-römischer Zeit einer der wichtigsten Brückenübergänge über den Rhein
- Koblenz: römische Warte aus dem 4. Jh., während der französischen Besatzungszeit 1792-1800 war zwischen Konstanz und Koblenz nur noch die Steinbrücke in Koblenz intakt
- Laufenburg: (CH / D) ein Name für zwei Orte die bis 1801 zusammengehörten
- Stein (Säckingen): längste überdachte Holzbrücke Europas über den Rhein
- Rheinfelden: die von den Zähringern gegründete Stadt, ist die Nachfolgerin einer viel älteren Ufersiedlung. 1803 kommt diese befestigte Stadt mit dem vorderösterreichischen Fricktal zur Eidgenossenschaft
- Kaiseraugst: entstand im Jahr 300 als Nachfolgesiedlung der Stadt Augusta Rauracorum (Augst)

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