Definition des Begriffs "Kulturlandschaft" nach Franz Dollinger

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Umgangssprachlich wird in Anlehnung an Hans SPREITZER unter einer Urlandschaft die nicht mehr existierende Landschaft vor verändernden Eingriffen des Menschen verstanden. Als Naturlandschaft wird meist eine Landschaft gesehen, die ohne wesentliche menschliche Umgestaltung hauptsächlich durch natürliche Faktoren bestimmt wird und unter Kulturlandschaft eine vom Menschen gestaltete Landschaft. Insbesondere die beiden letzten Begriffe werden in verschiedenen Fachdisziplinen uneinheitlich definiert und können daher auf Grundlage wesentlicher menschlicher Umgestaltungen wie folgt definiert werden:

Urlandschaft

Eine Ahnung über das Aussehen einer Urlandschaft können uns einzelne Standorte in weitgehend unbeeinflussten Alpentälern vermitteln, wie z.B. das Hintermoos im Hollersbachtal (Gemeinde, Hollersbach/Oesterreich), ein verlandeter Zungenbeckensee im heute weitgehend eisfreien Kar eines spätglazialen Gletschers.

Foto: F. Dollinger 2000

Naturlandschaften

Naturlandschaften sind ein repräsentativer Teil des Landschaftsökosystems ohne direkt erkennbare anthropogene Nutzungseinflüsse.

In diesem Beispiel des Vordermooses ebenfalls im Hollersbachtal prägt die natürliche Dynamik das Erscheinungsbild der Landschaft. Die Nutzungseinflüsse durch die Almwirtschaft sind nicht direkt erkennbar (auch wenn einzelne verfallene Reste von Almgebäuden bestehen).

Foto: F. Dollinger 1994

Kulturlandschaften

Kulturlandschaften sind ein repräsentativer Teil der Lebenswelt gesellschaftlicher Gruppen, die einem steten Wandel und Anpassungsprozess unterliegen. Sie stehen im Beziehungsgefüge zwischen Mensch, Natur und Kultur. Die verschiedenen Landnutzungen prägen ihr Erscheinungsbild und beeinflussen die Produktions-, Regulations- und Lebensraumfunktionen.

Kulturlandschaften erscheinen daher oft natürlich geprägt, wie das erste Beispiel an der Südflanke des Tennengebirges (Tauernscharte, Gemeinde Werfenweng/Oesterreich) zeigt, und werden dann als naturnahe Kulturlandschaften bezeichnet. Hier geht die Naturlandschaft oberhalb der Waldgrenze in die natürlich wirkende Almlandschaft (= Kulturlandschaft) über.

Foto: F. Dollinger 1981

Kulturlandschaft

Wenn bei Kulturlandschaften die Produktions- und Wohnfunktion der Land- und Forstwirtschaft das Landschaftsbild beherrscht, sprechen wir von einer land- und forstwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft, wie bei diesem Beispiel im Bereich des Adneter Riedls in der Gemeinde Vigaun/Oesterreich.

Foto: Land Salzburg, Abteilung Raumplanung o.J.

Kulturlandschaft

Bei Kulturlandschaften kann jedoch auch die Nutzfunktion des Menschen so dominant werden, dass eine naturferne Kulturlandschaft entsteht. Ein Beispiel dafür sind die agrarisch und wirtschaftlich genutzten Standorte am Rande der Großstädte, wie z.B. die Fachmarktagglomeration im Bereich des "Speckgürtels" um die Stadt Salzburg, hier an der Stadtgrenze zwischen der Stadt Salzburg und der Gemeinde Wals-Siezenheim/Oesterreich.

Foto: Land Salzburg, Abteilung Raumplanung 2001

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Europäische Kulturlandschaften
European cultural landscapes
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Literatur: SPREITZER, Hans (1951): Zur geographischen Organisation der Erdräume. In: Petermanns Geographische Mitteilungen, Bd. 95, H. 4, S. 253-257