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Missbrauchte Landschaften

Der Ettersberg

(Konzentrationslager Buchenwald 1937-45)

Ettersberg

Buchenwald

Missbrauchte

Landschaft

>>> Serie 1

>>> Serie 2

>>> Serie 3

>>> Serie 4

artistic direction | Projektleitung

Chris Wittwer

Autorin | Consulting

Petra Venzke

Mit 478 M.ü.M ist der Ettersberg die höchste Erhebung in der Umgebung und daher seit alters her als Hausberg der Stadt Weimar bekannt. Den weiten Blick über das dörfliche Thüringen, der sich von hier aus eröffnet, wussten schon Goethe und der Weimarer Hof zu schätzen. Seit dem 15. Jahrhundert ist die Gegend Jagdgebiet. Mit dem eleganten barocken Schloss Ettersburg ist der Ettersberg auch Bestandteil der durch eine Vielzahl kleinerer Landschlösser charakterisierten Freizeitlandschaft des höfischen Weimar. Die Gegend ist damit Teil einer Kulturlandschaft, die dem klassischen Weimar Zeit, Raum und Bühne für seine Entwicklung bot.

In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts bietet Weimar als thüringische Provinzhauptstadt, Erbin des klassischen Zeitalters und Basis einer konservativen Kulturelite den Ideen des Nationalsozialismus einen fruchtbaren Boden. Nach Etablierung der Herrschaft in Berlin wird Weimar zur Gauhauptstadt ausgebaut. Auf dem Ettersberg, 10 km vom Hauptbahnhof der kleinen Stadt entfernt, entsteht in diesem Zusammenhang das Konzentrationslager "K.L. Ettersberg". Kurz nach seiner Eröffnung wird es, nach einem Einspruch der NS-Kulturgemeinde, umbenannt in "K.L. Buchenwald/ Post Weimar". Das Lager wird zum Bestandteil eines neuen, als Staatslandschaft des Nationalsozialismus interpretierten Weimar. Insgesamt eine Viertelmillion Menschen aus ganz Europa waren von Juli 1937 bis April 1945 hier inhaftiert. Die Zahl der Opfer wird auf etwa 56000 geschätzt.

Nach dem Krieg wird das verlassene Gelände von den russischen Besatzern für die Internierung der Deutschen genutzt. Wiederum, diesmal unter völlig anderen Voraussetzungen, sterben Tausende.

Buchenwald ist Bestandteil der europäischen Erinnerungs- und Geschichtslandschaft und eben deshalb Kulturlandschaft: "Der Berg" ist die Begegnung mit den ungeliebten Aspekten unserer eigenen Kultur und Geschichte. Hier verdichten sich Spuren und Hinweise auf die Grauen lang vergangener Zeiten. Einfachen Zuschreibungen von Gut und Böse verweigert sich der Ort.

Kulturlandschaft als Träger europäischer Identität ist Thema der hier gezeigten Bildserien. Buchenwald, setzt man sich der Begegnung aus, erzählt, dass Kultur nicht teilbar ist. Unsere Kultur, die auf dem Weimarer Hausberg so tiefe Narben hinterlassen hat, ist auch der Wille zur Unterordnung, zur Ausgrenzung und zur hämischen Gewalt. Das durch Staatsterror und devote Dienstbereitschaft geformte Land zeugt von Potentialen unserer Kultur, die immer noch zum Vokabular unserer Handlungsmöglichkeiten gehören. Die Begegnung mit Buchenwald stellt Fragen an die inneren Widersprüche der Idee von Aufklärung und Humanität. [Petra Venzke, 2004]

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